Schwein gehabt!

von Lesley Leila Zaugg



Sternenklar war es im August vor 20 Jahren, als ich aus dem Industriegebäude in Dulliken trat, ich erinnere mich genau. Es war sonntags um drei Uhr früh und meine Schicht im Bowlingcenter zu Ende.


Auf meinem Velo genoss ich die kühle Nachtluft. Der Heimweg führte mich den Hügel hinauf nach Starrkirch-Wil. Ich war müde, jedoch der Blick in den Sternenhimmel entschädigte mich für die späte Anstrengung. Mitten in der Steigung sogar mit einer Sternschnuppe der vorbeiziehenden Perseiden belohnt. Was ich mir gewünscht habe? Das bleibt mein Geheimnis.


Oben und in Olten angelangt, ab der Höhe des Friedhofs Meisenhard, fuhr mein Velo von alleine die Aarauerstrasse hinunter. Beschwingt am Bifang vorbei und in Richtung Unterführung. Da gesellte sich ein weiterer nächtlicher Velofahrer zu mir. Ein komisches Gefühl, wenn einem auf einsamer Strasse jemand hinterherfährt, oder? Oder ging das nur mir als junger Frau so?


Zuerst verdrängte ich angstvolle Gedanken und bog wie gewohnt bei der Postkreuzung rechts ab. Der Mann, folgte mir dicht. Der Aare entlang zum Bahnhof pedalend, begann sich mein Gedankenkarussell zu drehen. Was, wenn dieser Mann nicht einfach nur zufällig in die gleiche Richtung wie ich unterwegs ist? Natürlich führte ihn sein Weg ebenfalls über die neue Aarebrücke …


Meine Gedanken überschlugen sich. Vielleicht fährt er nach der Brücke einfach geradeaus weiter? Und was tue ich, wenn er es nicht tut und wie ich, nach rechts in den Amthausquai einbiegt? Ich wusste, in meiner Jackentasche steckte das Natel, das mir mein Vater für den Fall der Fälle besorgt hatte. Smartphones waren damals noch nicht in Mode. Jedoch, was sollte das bringen? Ein Anruf würde mir in dieser Situation nicht helfen.


Gleich würde ich es wissen. Und, da war er, der Moment als mein Herz einen Moment aussetzte. Der Unbekannte fuhr weiter in meiner Spur. Zu meiner Linken war der Polizeiposten. Sollte ich dort Schutz suchen? Aber was sollte das bringen? Nachts war der Posten nicht besetzt und man stelle sich die absurde Szene vor: Frau direkt vor Polizeiposten belästigt.


Und wenn ich stürzen würde? In meinem Kopf gab es nur noch die Flucht nach vorne. Ab nach Hause! Immer schneller die Aare entlang, am Spital vorbei, das Geräusch meines Hintermanns im Ohr. Links hinauf, bis zu meiner Gartentüre. Dort hielt ich von Panik erfüllt an. Neben mir, der Unbekannte. „Hesch noh mou Schwein gha …“, flüsterte er und verschwand.


Dieser Satz hat mich einige Jahre begleitet. Heute bin ich dem Unbekannten dankbar für diese Konfrontation mit meiner Angst. Heute nachdem ich mich dieser Unsicherheit mehrmals gestellt habe, vertraue ich auf meine innere Stärke und bin auf natürliche Weise sicher.


In meinem Podcast zum Lichtvertrauen auf Youtube teile ich als Wegbegleiterin mein Licht mit dir und möchte dich daran erinnern, wie hell dein eigenes Licht leuchtet. Wie ich mich meinen vielfachen Ängsten gestellt habe, erzähle ich übrigens in Folge 11. Nimm mit von meinen Inspirationen für einen lichtvollen und bewussten Alltag was für dich stimmig ist. Lichtvertrauen.ch – Lesley Leila Zaugg

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